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Aufsteiger Aussteiger des Monats: Thomas Gottschalk

25. Februar 2011, Comments (0)

Aufsteiger Aussteiger des Monats Februar ist Thomas Gottschalk. Der 60-jährige Entertainer hat in der letzten „Wetten, dass?“-Sendung bekannt gegeben, am Ende des Jahres als Moderator der ZDF-Show zurücktreten zu wollen. Fast ein Vierteljahrhundert war Gottschalk das Gesicht des Flaggschiffs der deutschen Fernsehunterhaltung.

Das Ausscheiden Gottschalks hängt zusammen mit dem Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch. Am 4. Dezember war dieser in der Show beim Versuch fahrende Autos zu überspringen schwer gestürzt und wird aller Voraussicht nach dauerhaft gelähmt bleiben.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 13.2. begründet Gottschalk sein Ausscheiden damit, dass es sich bei Samuel Koch um einen Wettkandidaten gehandelt habe, der ganz anders gewesen sei, als frühere Mitspieler. Hier deute sich ein Trend an, den der Showmaster wohl nicht mitgehen will.

„Ich habe damals am Freitagabend vor der Sendung in Düsseldorf einen jungen Mann getroffen, der mit einer solchen Inbrunst daran geglaubt hat, dass sich mit seinem Auftritt bei mir sein Leben dramatisch verändern wird. Ich habe etwas von diesem Castingwahn gespürt, der ja bei vielen jungen Leuten um sich greift. Samuel war sich sicher, dass er mit seiner Performance vom Samstag am Montag einen Karrieresprung machen würde.“

War es den Wettkandidaten in der Vergangenheit noch bewusst, dass Sie für das Zerreißen von Telefonbüchern, Aufblasen von Kondomen oder Umpusten von VW-Bussen nicht viel mehr zu erwarten hatten als die berühmten fünfzehn Minuten Ruhm, geht es bei den neuen Castingsshows vermeintlich um mehr. Die Macher von „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Germany’s next Topmodel“ versprechen ihren meist jungen Kandidaten Instant-Berühmtheit und die große Karriere. Statt des Aufstiegs step-by-step verheißen die Shows den schnellen Aufstieg durch (Bühnen-)Performance. Nicht zuletzt sprechen sie diejenigen an, die für sich persönlich nur wenig von den klassischen Aufstiegsmodellen Bildung und Anstrengungen im Beruf erhoffen.

Gerade auch die Jugendlichen, die in der Schule vermeintlich wenig Einsatz zeigen, bzw. von denen die Schule kaum mehr etwas erwartet, akzeptieren dabei klaglos die hohen Leistungserwartungen der Shows und stellen sich den harten Auslesemechanismen. Sie sind bereit hohe Risiken einzugehen: Demütigungen vor einem Millionenpublikum oder die Gefährdung der eigenen Gesundheit. Schade, dass das Bildungssystem nicht in der Lage zu sein scheint, diesen Leistungswillen produktiver zu nutzen.

Foto: SpreePiX – Berlin (cc by-nc-nd 2.0)

Über dieses Blog

„Durch eigene Anstrengungen in der Gesellschaft voran kommen, ohne durch ethnische, räumliche oder soziale Herkunft gehindert zu werden: Kann es trotz der vielen Blockaden, die heute in der Bildung und bei der Integration Zugewanderter der sozialen Mobilität im Wege stehen, einen solchen „deutschen Traum“ geben? Dieses Blog diskutiert, ob das Ideal einer aufstiegsoffenen Gesellschaft für emanzipatorische Politik taugt."

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