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Grundeinkommen statt Chancengleichheit?

9. Januar 2011, Comments (2)

In einem Essay in der Neuen Rheinischen Zeitung vom 5. Januar stellt Harald Schauff die Ergebnisse der Studie „Spirit Level“ der britischen Forscher Richard Wilkinson und Kate Pickett vor: Gesellschaften die über mehr Einkommensgleichheit verfügen, fahren in vielen Bereichen besser als Gesellschaften, die durch ausgeprägte Ungleichheit gekennzeichnet sind – und zwar selbst dann wenn der Reichtum letzterer insgesamt größer ist (siehe dazu auch den Blogeintrag „Spirit Level„).
Es müsse also darum gehen, so folgert Schauff, die materielle Ungleichheit in Gesellschaften zu verringern und hat dafür eine Lösung parat: das bedingungslose Grundeinkommen. Die Forderung nach mehr Chancengleichheit, wie sie auch von der Heinrich-Böll-Stiftung diskutiert wird, hält er hingegen für reine Ideologie.

Stattdessen debattieren hierzulande etablierte Funktionseliten und Gelehrtenzünfte einschließlich vermeintlich alternativer Denkfabriken wie der „Heinrich-Böll-Stiftung“ von oben herab über die Verbesserung von „Aufstiegsmöglichkeiten“ für Menschen aus den unteren Schichten. Der Zugang zur „Bildung“ soll „Chancengleichheit“ bzw. „Chancengerechtigkeit“ garantieren.

Zurecht kritisiert er, dass Chancengerechtigkeit allzu häufig von denjenigen ins Feld geführt wird, die eine priviligierte Stellung in der Gesellschaft geerbt haben, um sich gegenüber potentiellen Aufsteigern abzuschotten. Aber ist das ein Argument gegen das Leitbild einer aufstiegsoffenen Gesellschaft? Gegen den Anspruch eines und einer jeden, durch eigene Anstrengungen voranzukommen, ohne durch die eigene Herkunft gehindert zu werden? Wer Chancengerechtigkeit als emanzipatorisches Prinzip versteht, weiß, dass es der Unterstüzung Einzelner bedarf, um ungleiche Ausgangsbedingungen auszugleichen und dass die Ungleichheit in der Gesellschaft nicht zu groß werden darf. Wilkinson und Pickett zeigen im Übrigen, dass auch die soziale Durchlässigkeit in egalitären Gesellschaften höher ist, als in disparaten.

Foto: Thomas Roessler (cc-by-nc-sa 2.0)

Über dieses Blog

„Durch eigene Anstrengungen in der Gesellschaft voran kommen, ohne durch ethnische, räumliche oder soziale Herkunft gehindert zu werden: Kann es trotz der vielen Blockaden, die heute in der Bildung und bei der Integration Zugewanderter der sozialen Mobilität im Wege stehen, einen solchen „deutschen Traum“ geben? Dieses Blog diskutiert, ob das Ideal einer aufstiegsoffenen Gesellschaft für emanzipatorische Politik taugt."

Studie „Einwanderinnen und Einwanderer in den Räten deutscher Großstädte“

Studie „Kaum Bewegung, viel Ungleichheit“

Die Studie von Reinhard Pollak (WZB) zeigt, in Deutschland schaffen es weniger als 1% aus einem Elternhaus, in dem der Vater ungelernter Arbeiter ist, selbst in eine leitende Angestelltenposition zu gelangen.
Dagegen werden zwei Drittel der Kinder aus einer leitenden Angestelltenfamilie selbst leitende Angestellte.
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Böll.Thema

Die Ausgabe "Sozialer Aufstieg - Strategien gegen die blockierte Gesellschaft" von Boell.thema liefert Analysen, Reportagen und Überlegungen rund um Fragen sozialer Mobilität und das Leitbild der aufstiegsoffenen Gesellschaft.
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