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Frust trotz Bildungsaufstieg

17. März 2011, Comments (0)

Am heutigen Donnerstag werden in der Heinrich-Böll-Stiftung die Ergebnisse der internationalen Integrationsstudie MIPEX vorgestellt, die von der Migration Policy Group und vom British Council durchgeführt wurde. MIPEX steht für „Migrant Integration Policy Index“ und vergleicht die Integrationspolitik von 31 Ländern in Bereichen wie Arbeitsmarktmobilität, Familienzusammenführung und Bildung.

Zu Beginn der Veranstaltung sprach Professor Han Entzinger von der Erasmus Universität Rotterdam über Aufstiegsaspirationen von Migranten und über strukturelle Barrieren, denen sie sich oft gegenüber sehen.

Barrieren gegen den sozialen Aufstieg von Migranten gibt es laut Entzinger viele. So würden Migranten in besonderem Maße von konjunkturellen Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt getroffen. Aber auch rechtliche Regelungen (z.B. Einwanderungsgesetze), soziale Segmentierung, Rassismus und strukturelle Diskriminierungen können den Aufstieg und damit die erfolgreiche Integration von Migranten behindern.

Dennoch gelingt vielen Migranten, oft in der zweiten oder dritten Generation, der soziale Aufstieg. Nicht zuletzt liege das an den hohen Aufstiegsaspirationen, die viele Migrantinnen und Migranten haben. So habe es in den letzten Jahren gemessen in fast allen Einwanderungsstaaten erhebliche Aufstiege und eine zunehmend erfolgreiche Integration von Einwanderern gegeben. Das könne man an einer ganzen Reihe von Indikatoren ablesen, besonders auffällig sei die positive Entwicklung allerdings im Bildungssystem.

Erstaunlich sei aber, dass diese Fortschritte kaum wahrgenommen würden – und zwar weder von der heimischen Bevölkerung, noch von Einwanderern selbst. Vorherrschend sei ein Defizitdiskurs. Das liege daran, dass parallel zu den Fortschritten bei der Integration auch die Ansprüche wachsen, die an Migranten gestellt werden.

Seit einiger Zeit sei in den Einwanderungsländern ein Trend zu beobachten, die Ansprüche an Einwanderer anzuheben und außerdem ganz neue Anforderungen zu stellen. Ging es früher in erster Linie um Partizipation am Arbeitsmarkt, müssten Migranten heute auch kulturelle Assimilation und Loyalität gegenüber der neuen Heimat nachweisen. Vor allem bei den gut ausgebildeten Migranten der zweiten und dritten Generation würde es zunehmend zu Frustrationen führen, dass sie trotz Bildungsaufstieg mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen haben, einen guten Job zu finden, als junge Menschen ohne Migrationshintergrund und dass sie zudem um ihre gesellschaftliche Akzeptanz kämpfen müssen.

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Foto: Michael Thurm (cc by-nc-sa 2.0)

Neue Studie vergleicht Integrationspolitik in Europa

11. März 2011, Comments (0)

Bereits zum dritten Mal haben der British Council und die Migration Policy Group aus Brüssel einen Vergleich der Integrationspolitik verschiedener Staaten in Europa und Nordamerika vorgelegt. Der Migrant Integration Policy Index (MIPEX) untersucht und vergleicht die Integrationspolitik von 31 Ländern in Bereichen wie Arbeitsmarktmobilität, Familienzusammenführung und Bildung.

Am 17. und 18. März werden die Ergebnisse von MIPEX im Rahmen einer Konferenz in der Heinrich-Böll-Stiftung, dem deutschen Partner der Studie, diskutiert. Dabei wird es auch um das Abschneiden der deutschen Integrationspolitik gehen. Laut MIPEX sind Migrantinnen und Migranten aus Ländern außerhalb der EU in Deutschland rechtlich etwas besser gestellt als noch vor drei Jahren. Positiv bewerten die Forscherinnen und Forscher des MIPEX, dass es in Deutschland vergleichsweise klar definierte Wege zur Staatsbürgerschaft und zielgerichtete Angebote zur Integration in den Arbeitsmarkt gibt. Im Bereich Bildungschancen und Familienzusammenführung liegt Deutschland hingegen nur auf einem Mittelplatz und in den meisten anderen Ländern ist es für Migrantinnen und Migranten deutlich leichter, eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung zu erhalten.

Angeführt wird das Integrationsranking von Schweden, Portugal und Kanada. Deutschland landet insgesamt auf einem Mittelplatz.

MIPEX bietet wertvolle Informationen, die darauf abzielen, „Integrationspolitiken zu bewerten, zu vergleichen und zu verbessern“. Auf der MIPEX Website lassen sich die Studienergebnisse interaktiv auswerten. Da es beim MIPEX jedoch um formale Integrationspolitik geht, ist die Aussagekraft der Ergebnisse begrenzt. Die Studie würdigt die Fortschritte bzw. straft Rückschritte, die einzelne Länder auf der formalen, politisch-rechtlichen Ebene machen. Nicht in den Blick kommen so Integrationsresultate. Eine aktive Arbeitsmarktintegrationspolitik muss lange nicht bedeuten, dass die Eingliederung von Migranten in den Arbeitsmarkt tatsächlich gut gelingt. Hier spielen beispielsweise auch Arbeitsmarktstrukturen eine wichtige Rolle: wie durchlässig ist der Arbeitsmarkt insgeamt, werden Zertifikate benötigt, um bestimmte Berufe ausüben zu können? Auch ist zu beachten, dass MIPEX lediglich Migranten mit legalem Aufenthaltsstatus einbezieht. So erklärt sich nicht zuletzt die gute Position Italiens im Ranking.

Über dieses Blog

„Durch eigene Anstrengungen in der Gesellschaft voran kommen, ohne durch ethnische, räumliche oder soziale Herkunft gehindert zu werden: Kann es trotz der vielen Blockaden, die heute in der Bildung und bei der Integration Zugewanderter der sozialen Mobilität im Wege stehen, einen solchen „deutschen Traum“ geben? Dieses Blog diskutiert, ob das Ideal einer aufstiegsoffenen Gesellschaft für emanzipatorische Politik taugt."

Studie „Einwanderinnen und Einwanderer in den Räten deutscher Großstädte“

Studie „Kaum Bewegung, viel Ungleichheit“

Die Studie von Reinhard Pollak (WZB) zeigt, in Deutschland schaffen es weniger als 1% aus einem Elternhaus, in dem der Vater ungelernter Arbeiter ist, selbst in eine leitende Angestelltenposition zu gelangen.
Dagegen werden zwei Drittel der Kinder aus einer leitenden Angestelltenfamilie selbst leitende Angestellte.
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Böll.Thema

Die Ausgabe "Sozialer Aufstieg - Strategien gegen die blockierte Gesellschaft" von Boell.thema liefert Analysen, Reportagen und Überlegungen rund um Fragen sozialer Mobilität und das Leitbild der aufstiegsoffenen Gesellschaft.
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