Migranten « Was ist der deutsche Traum?

Artikel getagged mit ‘Migranten’

Wohnen und wählen

18. Juli 2011, Comments (0)

Am 29. Juni diskutierte die Veranstaltung „Mittendrin oder nur irgendwie dabei“ in der Heinrich-Böll-Stiftung die Rolle von Menschen mit Migrationshintergrund in der deutschen Kommunalpolitik.

Der Filmclip über die Konferenz zeigt, dass ein Weg, die Partizipation von MigrantInnen zu steigern, darin liegen kann, Wahl- und Wohnbevölkerung stärker in Übereinklang zu bringen. Renate Künast versprach, sich dafür stark zu machen, das kommunale Wahlrecht für Bürger ohne deutsche Staatsbürgerschaft auszuweiten. Mehr dazu hier:

Tagesspiegel: UN rügt deutsche Sozialpolitik

6. Juli 2011, Comments (0)

Der Berliner Tagesspiegel berichtet in der heutigen Ausgabe, dass die Vereinten Nationen die Sozialpolitik in der Bundesrepbublik scharf kritisieren. In einem Entwurf für einen neuen Länderbericht, der dem Tagesspiegel vorliegt, würde vor allem bemängelt, dass Deutschland bei der Bekämpfung von Armut und beim Abbau der Benachteiligung von Migranten nicht voran komme. Als Beispiel wird genannt, dass in Deutschland jedes vierte Kind ohne Frühstück zur Schule gehen müsse. Die UN trifft einen wunden Punkt. Wie auch die Studie der Heinrich-Böll-Stiftung „Kaum Bewegung, viel Ungleichheit“ gezeigt hat, sind die Chancen auf den gesellschaftlichen Aufstieg sind in nur wenigen industriellen Staaten so ungleich verteilt wie in Deutschland. Vor allem am unteren Rand der Gesellschaft wird Chancen- und Bildungsarmut zunehmend vererbt.

Foto: jazzlog (cc by-nc 2.0)

Kaum Vielfalt in den Stadtparlamenten

17. Juni 2011, Comments (0)

Wie es um Gleichberechtigung und Integration in einer Gesellschaft bestellt ist, bemisst sich nicht zuletzt daran, inwieweit Menschen mit Migrationshintergrund die realistische Chance haben, politische Gestaltungsmacht zu erlangen.

Auch wird die Legitimität der Demokratie und die Akzeptanz, auf die sie in der Bevölkerung trifft, in Zukunft stärker davon abhängen, ob ihre Institutionen in der Lage sind, die zunehmende kulturelle und ethnische Vielfalt in den demokratischen Prozess einzuspeisen. Vor allem gilt das für die Städte, wo schon heute mehr als ein Drittel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat – mit steigender Tendenz.

Eine Forschergruppe um Karen Schönwälder vom Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen hat nun in Kooperation mit der Heinrich Böll-Stiftung und mit Unterstützung der Stiftung Mercator erstmals umfassend den Stand und die Entwicklung der Repräsentanz von Menschen mit Migrationshintergrund in den Parlamenten deutscher Großstädte untersucht. Sie kommen zum ernüchternden Ergebnis, dass sich die ethnische und kulturelle Vielfalt unserer Städte in den Stadttäten kaum widerspiegelt. Nur 4% der 4670 Ratsmitglieder in allen Städten über 100.000 Einwohner haben einen Migrationshintergrund.

Die Studie wird am 29. Juni in der Heinrich-Böll-Stiftung im Rahmen der Konferenz „Mittendrin oder nur irgendwie dabei?“ vorgestellt und diskutiert. Dabei wird es auch um die Rolle und das Selbstverständnis von Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern mit Migrationshintergrund in Deutschland gehen und um Maßnahmen, wie die gesellschaftliche Diversität besser Eingang in die Parlamente finden kann.

Foto: Michael Panse (cc by-nd 2.0)

Weit mehr als Gemüseläden: Migranten machen sich überdurchschnittlich oft selbständig

18. April 2011, Comments (1)

Migranten machen sich in Deutschland häufiger selbständig als der Durchschnitt der Bevölkerung. Das zeigt der neue „Global Entrepreneurship Monitor“ für Deutschland, den das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und die Universität Hannover im April 2011 vorgestellt haben.

Unter den Menschen mit Migrationshintergrund (berücksichtigt wurden Zugewanderte und ihre Kinder) zwischen 18 und 64 Jahren gehören 6,9% zu den Gründerinnen und Gründern, in der Gesamtbevölkerung sind es nur 4,2%. Fast jede(r) vierte Gründer(in) in Deutschland hat einen Migrationshintergrund.

Die Forscher nennen verschiedene Gründe für die höhere Gründungsfreudigkeit unter den Migranten: Vor allem sei der Anteil derjenigen, die angibt, aus mangelnden Alternativen auf dem Arbeitsmarkt den Schritt in die Selbständigkeit gewagt zu haben, größer als bei Nicht-Migranten. Hier dürften u.a. Zugangsbarrieren zum Arbeitsmarkt wie die mangelhafte Anerkennung von ausländischen Ausbildungsabschlüssen, Diskriminierungen eine Rolle spielen.

Erstaunt hat die Forscher, dass sich die Einstellungen der Migranten bezüglich der Selbständigkeit nicht sehr von denen nicht-migrantischer Unternehmer unterscheiden. So sei unter Migranten keine höhere Risikobereitschaft zu verzeichnen. Allerdings gebe es in innerhalb migrantischer Communities mehr Vorbilder für Selbständige. Migranten kennen mehr Personen im persönlichen Umfeld, die sich selbständig gemacht haben.

Das interessanteste Ergebnis der Studie betrifft die Art der von Migranten gegründeten Unternehmen. Im Jahr 2009 hatte Thilo Sarrazin in einem zynischen Interview zur Integrationsfrage gesagt, dass Araber und Türken in Berlin keine produktive Funktion hätten – außer die, Obst- und Gemüseläden zu gründen. Abgesehen davon, dass auch Obst- und Gemüseläden höchst sinnvolle Einrichtungen sind, die Studie von IAB und Universität Hannover zeigt nun, dass Sarrazin auch in seinem Vorurteil über die Selbständigkeit von Migranten wohl falsch liegt.

Die Forscher schreiben

„Insgesamt kann festgestellt werden, dass sich die innovative Qualität der Gründungen von Migranten nicht von denen der einheimischen Bevölkerung unterscheidet“.

und

„Die von Migranten gegründeten Unternehmen sind im Durchschnitt größer als die der einheimischen Gründer. […] Unternehmensgründungen von Migranten haben daher eine etwas höhere Beschäftigungswirkung als die von Nicht-Migranten.“

Foto: digital cat (cc by 2.0)

Rechte für den Bildungsaufstieg

24. März 2011, Comments (1)

Eine neue Studie aus dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung zeigt, dass der rechtliche Status von Migrantenkindern Einfluss auf deren Bildungschancen hat. Die Autorin Janina Söhn stellt darin fest, dass vor allem Kinder von Aussiedlern von gezielter Sprachförderung und Unterstützungsleistungen für ihre Familien profitierten. Aussiedler leiden nicht zuletzt deswegen viel seltener unter Bildungsarmut als Gleichaltrige, die als Ausländer in die Bundesrepublik kamen.  Besonders gefährdet seien hingegen die Bildungschancen von Kindern von Asylsuchenden und Geduldeten.

Söhn fordert, dass Bildungsreformen vor allem Kinder aus Zuwanderfamilien in den Blick nehmen sollten. Hier könnten die größten Fortschritte erzielt werden, wenn es um die Entkopplung von Bildungserfolg und sozialer Herkunft geht.

Die Förderung der Aussiedler hält Söhn für vorbildlich.

„die rechtliche Gleichstellung mit einheimischen Deutschen und die damit verbundene sichere Bleibeperspektive, gezielte Sprachförderung und ein besserer Zugang zum Arbeitsmarkt, trugen dazu bei, dass diese Migrantengruppe im Vergleich zu anderen Einwanderern erfolgreicher war.“

Von der Einführung von Integrationskursen und der Reform des Staatsangehörigkeitsgesetzes im Jahr 2000 hätten  in der Folge auch andere Migrantengruppen profitiert. Ausgenommen blieben aber weiterhin Kinder von Asylsuchenden und Geduldeten.

„Um die Bildungschancen dieser Kinder nicht nachhaltig zu gefährden, sollten diese Familien möglichst kurz einer unsicheren rechtlichen Situation ausgesetzt sein. Zudem gilt es, auf Bundeslandsebene die Schulpflicht auf alle Kinder unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus auszudehnen und so den Zugang zu Schulen als Menschenrecht zu garantieren.“

Foto: Thilo Waasem (cc by-nc-sa 2.0)

Frust trotz Bildungsaufstieg

17. März 2011, Comments (0)

Am heutigen Donnerstag werden in der Heinrich-Böll-Stiftung die Ergebnisse der internationalen Integrationsstudie MIPEX vorgestellt, die von der Migration Policy Group und vom British Council durchgeführt wurde. MIPEX steht für „Migrant Integration Policy Index“ und vergleicht die Integrationspolitik von 31 Ländern in Bereichen wie Arbeitsmarktmobilität, Familienzusammenführung und Bildung.

Zu Beginn der Veranstaltung sprach Professor Han Entzinger von der Erasmus Universität Rotterdam über Aufstiegsaspirationen von Migranten und über strukturelle Barrieren, denen sie sich oft gegenüber sehen.

Barrieren gegen den sozialen Aufstieg von Migranten gibt es laut Entzinger viele. So würden Migranten in besonderem Maße von konjunkturellen Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt getroffen. Aber auch rechtliche Regelungen (z.B. Einwanderungsgesetze), soziale Segmentierung, Rassismus und strukturelle Diskriminierungen können den Aufstieg und damit die erfolgreiche Integration von Migranten behindern.

Dennoch gelingt vielen Migranten, oft in der zweiten oder dritten Generation, der soziale Aufstieg. Nicht zuletzt liege das an den hohen Aufstiegsaspirationen, die viele Migrantinnen und Migranten haben. So habe es in den letzten Jahren gemessen in fast allen Einwanderungsstaaten erhebliche Aufstiege und eine zunehmend erfolgreiche Integration von Einwanderern gegeben. Das könne man an einer ganzen Reihe von Indikatoren ablesen, besonders auffällig sei die positive Entwicklung allerdings im Bildungssystem.

Erstaunlich sei aber, dass diese Fortschritte kaum wahrgenommen würden – und zwar weder von der heimischen Bevölkerung, noch von Einwanderern selbst. Vorherrschend sei ein Defizitdiskurs. Das liege daran, dass parallel zu den Fortschritten bei der Integration auch die Ansprüche wachsen, die an Migranten gestellt werden.

Seit einiger Zeit sei in den Einwanderungsländern ein Trend zu beobachten, die Ansprüche an Einwanderer anzuheben und außerdem ganz neue Anforderungen zu stellen. Ging es früher in erster Linie um Partizipation am Arbeitsmarkt, müssten Migranten heute auch kulturelle Assimilation und Loyalität gegenüber der neuen Heimat nachweisen. Vor allem bei den gut ausgebildeten Migranten der zweiten und dritten Generation würde es zunehmend zu Frustrationen führen, dass sie trotz Bildungsaufstieg mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen haben, einen guten Job zu finden, als junge Menschen ohne Migrationshintergrund und dass sie zudem um ihre gesellschaftliche Akzeptanz kämpfen müssen.

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Foto: Michael Thurm (cc by-nc-sa 2.0)

Über dieses Blog

„Durch eigene Anstrengungen in der Gesellschaft voran kommen, ohne durch ethnische, räumliche oder soziale Herkunft gehindert zu werden: Kann es trotz der vielen Blockaden, die heute in der Bildung und bei der Integration Zugewanderter der sozialen Mobilität im Wege stehen, einen solchen „deutschen Traum“ geben? Dieses Blog diskutiert, ob das Ideal einer aufstiegsoffenen Gesellschaft für emanzipatorische Politik taugt."

Studie „Einwanderinnen und Einwanderer in den Räten deutscher Großstädte“

Studie „Kaum Bewegung, viel Ungleichheit“

Die Studie von Reinhard Pollak (WZB) zeigt, in Deutschland schaffen es weniger als 1% aus einem Elternhaus, in dem der Vater ungelernter Arbeiter ist, selbst in eine leitende Angestelltenposition zu gelangen.
Dagegen werden zwei Drittel der Kinder aus einer leitenden Angestelltenfamilie selbst leitende Angestellte.
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Böll.Thema

Die Ausgabe "Sozialer Aufstieg - Strategien gegen die blockierte Gesellschaft" von Boell.thema liefert Analysen, Reportagen und Überlegungen rund um Fragen sozialer Mobilität und das Leitbild der aufstiegsoffenen Gesellschaft.
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