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It’s who you know …

16. Mai 2011, Comments (1)

Für den internationalen Kongress der Sozialdemokratie „Progressive Governance Conference„, der am 12. und 13. Mai 2011 in Oslo stattfand, hat der britische Thinktank Policy Network letzte Woche in London die Ergebnisse einer länderübergreifenden Befragung zu wichtigen Herausforderungen sozialdemokratischer Politik veröffentlicht. Jeweils rund 1.000 Bürger aus Deutschland, dem Vereinigten Königreich, den USA und Schweden waren unter anderem nach Ihren Einschätzungen zu den sozialen Aufstiegschancen in Ihrem Land interviewt worden.

„The survey reveals the sheer extent of pessimism about the reality of equal opportunity“, fassen die Autoren die Umfrageergebnisse zusammen. In Deutschland sind 54% der Befragten der Meinung, dass es, um im Leben voranzukommen, eher darauf ankommt, wen man kennt („who you know“), als auf harte, ehrliche Arbeit („hard work and playing by the rules“). Zum Vergleich: In den USA teilen 46%, im Vereinigten Königreich 62% und in Schweden 56% der Befragten diese Auffassung.

Besonders überraschend sind die Ergebnisse nicht, denn eigene Anstrengungen und die Frage, wen man kennt, spielen ganz sicher beide eine Rolle für den sozialen Aufstieg (vor allem, wenn man bei letzterem die Eltern einbezieht, also die soziale Herkunft meint). Interessant sind eher schon die Unterschiede zwischen den Ländern und der hohe Bildungspessimismus, den das Policy Network gemessen hat. So glauben 67% der befragten Deutschen, dass ein Hochschulstudium nicht die Karriereerwartungen zu erfüllen vermag, die es weckt. Nur die Schweden sind deutlich optimistischer. Der gleichen Aussage stimmen dort nur 28% der Befragten zu.

Foto: TypeFiend (cc by-nc-sa 2.0)

„If you’d like to live the American Dream, choose Norway“

28. Oktober 2010, Comments (2)

Foto: Neil Clement, cc-by-nd/2.0

Wer auf der Suche nach einem „land of opportunity“ sei, sollte nicht Richtung USA, sondern vielmehr in Richtung Skandinavien schauen. So brachte Kate Pickett am 25.10. die Ergebnisse ihres zusammen mit Richard Wilkinson geschriebenen Buchs „The Spirit Level“ über den Zusammenhang von Einkommensgleichheit und Aufstiegschancen in verschiedenen Gesellschaften auf den Punkt.

Kate Pickett war auf Einladung des Progressiven Zentrums in die Berliner Hertie School of Governance gekommen, um die zentralen Thesen ihres Buches vorzustellen. Die lauten: Industriegesellschaften mit größerer Einkommensgleichheit fahren in fast allen Bereichen besser, als solche, in denen die Einkommensschere weiter auseinander geht. Das gilt für die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung, für Gesundheit und für Bildung gleichermaßen – und auch für die Chancen, die Gesellschaften ihren Mitgliedern bieten, sozial aufzusteigen.

Den Zusammenhang von Gleichheit und Möbilitätschancen legt das Buch eindrucksvoll dar. Aber Korrelationen dürfen nicht mit Kausalitäten verwechselt werden. Warum gleichere Gesellschaften mehr Aufstiegschancen bieten, als ungleichere, diese Frage ist noch nicht beantwortet. Plausibel ist, dass wie auf einer Leiter Aufstiege dann leichter fallen, wenn die Sprossen nicht zu weit auseinander liegen. Es mag auch sein, dass kompetetive Gesellschaften mehr sozialen Stress in die Gesellschaft tragen: Frustration derer, die keine Chancen für sich sehen und Abstiegsängste bei denen, die fürchten müssen, dass sie oder ihre Kinder die angestammte gesellschaftliche Position verlieren könnten. Auch dürfte die öffentliche Infrastruktur eine wichtige Rolle spielen und die Durchlässigkeit des Bildungssystems. Dieses stand denn auch im Mittelpunkt der Diskussion zwischen den Politikern Hubertus Heil (SPD), Tarek Al-Wazir (Grüne) und Stefan Ruppert (FDP), die sich in der Hertie-School an den Vortrag von Pickett anschloss.

Stefan Ruppert kritisierte den Titel der deutschen Ausgabe des Buchs „Gleichheit ist Glück“. Als Liberaler wittere er ein gewisses Totalitarismuspotenzial. Hier werde suggeriert, dass es so etwas gäbe, wie eine universelle Glücksformel für alle.

Tarek Al-Wazir forderte die Schaffung eines Aufstiegsversprechens in der Berliner Republik, das insbesondere jenen eine realistische Perspektive auf soziale Teilhabe bieten müsse, die heute am Rande der Gesellschaft bedroht sind, abgehängt zu werden.

Auch für Hubertus Heil besteht eine zentrale Aufgabe darin, eine „Lebenschancenpolitik“ hinzubekommen. Er stellte jedoch infrage, ob man guten Gewissens von einer Politik für den sozialen Aufstieg sprechen sollte, wenn derzeit viele gar nicht erst den Einstieg (z.B. ins Erwerbsleben) schaffen.

Al-Wazir verteidigte den Aufstiegsbegriff. Ohne die Vorstellung, dass man durch eigene Anstrengungen auch voran kommen kann, würde die Gesellschaft auseinander fallen. Es bedürfe daher vor allem großer Antrengungen in der Bildung. Statt auf Transfers müsse in die soziale Infrastruktur, z.B. in Kindergärten investiert werden.

Mit Hubertus Heil war er sich einig, dass Erwerbsarbeit ein zentraler Motor für gesellschaftliche Teilhabe und Aufstiegschancen. Sie müsse auch angemessen entlohnt werden. Daher forderte er die Einführung von Mindestlöhnen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen, auch darin war man sich einig, wäre gerade die falsche Antwort.

Abschließend appellierte Kate Pickett an die Politiker, die in der Gesellschaft vorhandene Sehnsucht nach einer gerechten Gesellschaft, mutiger zu adressieren, als dies bisher geschehe.

Über dieses Blog

„Durch eigene Anstrengungen in der Gesellschaft voran kommen, ohne durch ethnische, räumliche oder soziale Herkunft gehindert zu werden: Kann es trotz der vielen Blockaden, die heute in der Bildung und bei der Integration Zugewanderter der sozialen Mobilität im Wege stehen, einen solchen „deutschen Traum“ geben? Dieses Blog diskutiert, ob das Ideal einer aufstiegsoffenen Gesellschaft für emanzipatorische Politik taugt."

Studie „Einwanderinnen und Einwanderer in den Räten deutscher Großstädte“

Studie „Kaum Bewegung, viel Ungleichheit“

Die Studie von Reinhard Pollak (WZB) zeigt, in Deutschland schaffen es weniger als 1% aus einem Elternhaus, in dem der Vater ungelernter Arbeiter ist, selbst in eine leitende Angestelltenposition zu gelangen.
Dagegen werden zwei Drittel der Kinder aus einer leitenden Angestelltenfamilie selbst leitende Angestellte.
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Böll.Thema

Die Ausgabe "Sozialer Aufstieg - Strategien gegen die blockierte Gesellschaft" von Boell.thema liefert Analysen, Reportagen und Überlegungen rund um Fragen sozialer Mobilität und das Leitbild der aufstiegsoffenen Gesellschaft.
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