American Dream « Was ist der deutsche Traum?

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(Nicht-)Aufsteiger des Monats: Donald Duck

29. August 2011, Comments (2)

Aufsteiger des Monats August ist Donald Duck. Heute vor genau 60 Jahren erschien der erste Micky Maus-Comic in Deutschland. Während in den meisten anderen Ländern Donald Duck zur Titelfigur der Disney-Comics erwählt wurde, fiel in der Bundesrepublik die Wahl auf die rechtschaffende, oft rechthaberische kleine Maus, die dem deutschen Publikum bereits seit den 30er Jahren aus dem Kino bekannt war.

Beliebter jedoch als Micky war immer Donald aus Entenhausen, wohl gerade weil er im Gegensatz zum cleveren Micky ein ewiger Pechvogel ist. Eigentlich eine sehr unamerikanische Figur. Seinen Onkel Dagobert als Verkörperung des amerikanischen Traums immer vorm Schnabel, versagt Donald in jedem der vielen Jobs, die er anpackt – aus Übermut und nicht zuletzt weil er ein ziemlich fauler Erpel ist. Donald hat eigentlich immer Pech, ist immer Pleite – aber am Ende ist er doch glücklich und uns deshalb sympathisch. Er beweist das Geld nicht alles ist – selbst dann nicht, wenn man wie Dagobert darin schwimmen kann.

Foto: Joe Penniston (cc by-nc-nd 2.0)

Aufsteiger des Monats: Brandon Fisher

27. Januar 2011, Comments (0)

Aufsteiger des Monats Januar ist Brandon Fisher.

In seiner jüngsten Rede zur Lage der Nation hat US-Präsident Obama den hierzulande weitgehend unbekannten Firmengründer aus Pennsylvania als vorbildliche Verkörperung des amerikanischen Pioniergeistes gewürdigt. Obama kündigte in seiner Ansprache vor dem Kongress Sparmaßnahmen und neue Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Forschung an. Sie sollen helfen, die US-amerikanische Führungsposition in der Welt abzusichern. Die Vereinigten Staaten stünden vor einem neuen historischen „Sputnik-Moment“, der über ihre zukünftige Rolle in der Welt entscheide.

In dieser Situation ginge es vor allem um eine Wiederbelebung des amerikanischen Spirits. Genau dafür stehe Brandon Fisher, der in der bei Pittsburgh gelegenen 2.000-Seelen-Stadt Berlin (!) eine Firma für Tiefenbohrungen betreibt. Als dieser im letzten Sommer vom Drama um die eingeschlossenen Bergleute in Chile hörte, kam er auf die Idee, seine Bohrtechnik zur Bergung der 33 Arbeiter einzusetzen. Letztlich sei das der Durchbruch in den Rettungsbemühungen gewesen.

Warum erwähnte Obama den Bohrexperten in seiner Rede? Amerikanische Komentatoren werten es als Versuch Obamas, sich als Präsident aller Amerikaner zu zeigen. Seine Botschaft: Es sind Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die wie Brandon Fisher den American Dream verkörpern.

„From the earliest days of our founding, America has been the story of ordinary people who dare to dream“,

sagte Obama und weiter: „That’s how we win the future.“ Zunächst scheint er erst einmal Zustimmung unter den Wählern gewonnen zu haben – und ein wenig an Boden im patriotischen Wettbewerb mit den Anhängern der Tea Party, die Obama zuletzt vorgeworfen hatten, er würde die Einzigartigkeit Amerikas nicht genügend anerkennen.

Filmclip: Europa und der American Dream

16. Dezember 2010, Comments (0)

Welche Rolle spielen faire Aufstiegschancen in sozial, kulturell und ethnisch vielfältigen Gesellschaften für den sozialen Zusammenhalt und die gesellschaftliche Dynamik auf beiden Seiten des Atlantiks? Ein kurzer Clip zeigt Highlights und Statements der Konferenz „Europa und der American Dream“ in der Heinrich-Böll-Stiftung.

Das Traumgesetz

26. November 2010, Comments (2)

Was in Deutschland nur schwer vorstellbar ist, in den USA ist es möglich: es wird über ein „Traumgesetz“ diskutiert. Einen „DREAM Act“ versucht Präsident Obama durch das Gesetzgebungsverfahren zu bekommen – mit ungewissem Ausgang.

Der Gesetzesentwurf zielt auf eine teilweise Legalisierung junger Zuwanderer unter 35 Jahren. Wer bereits fünf Jahre oder mehr in den USA lebt, vor dem 16. Geburtstag in die USA eingereist ist und über eine Hochschulberechtigung verfügt, soll eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bekommen und damit die Möglichkeit erhalten, zu studieren. Langfristig winkt gar die Einbürgerung.

Bereits seit fast zehn Jahren wird über den DREAM Act (Dream steht wenig träumerisch für „Development, Relief and Education for Alien Minors Act“) diskutiert, er scheiterte bislang immer wieder im Gesetzgebungsverfahren. Die Gegner kritisieren, dass das Gesetz illegale Zuwanderung belohnen würde. Die Verfechter des Gesetzesvorhabens, zu denen Präsident Obama gehört, weisen darauf hin, dass die Personengruppe, um die es geht, in jungem Alter mit den Eltern eingereist ist und daher kaum bestraft gehöre. Nicht zuletzt würden den USA viele Talente verloren gehen, wenn man diesen jungen Menschen eine Bildungskarriere verweigert.

Auf der Website der Befürworter heißt es

„Over three million students graduate from U.S. high schools every year. Most get the opportunity to test their dreams and live their American story. However, a group of approximately 65,000 youth do not get this opportunity; they are smeared with an inherited title, an illegal immigrant. These youth have lived in the United States for most of their lives and want nothing more than to be recognized for what they are, Americans.“

Foto: Klaus Friese (cc-by-nc-sa 2.0)

Der Schuster bleibt bei seinen Leisten: Berufe als Aufstiegsbarriere

10. November 2010, Comments (5)

Geht es um die Ursachen für gesellschaftliche Chancenungleichheit, kommt in der Regel – und völlig zu recht – das Bildungssystem zur Sprache. Bildung entscheidet immer mehr über die Aussichten auf gesellschaftliche Teilhabe und einen guten Job. Und spätestens seit den PISA-Studien wissen wir, dass in kaum einem Bildungssystem der Bildungserfolg so stark von der sozialen Herkunft abhängt wie in Deutschland.

Auf der internationalen Konferenz „Europa und der ‚American Dream‘ – Eine transatlantische Traumdeutung“, die am 27. Oktober in der Heinrich-Böll-Stiftung stattfand, wurde die Frage diskutiert, ob die uramerikanische Geschichte vom Tellerwäscher, der zum Millionär aufsteigt, mehr ist als nur ein Mythos. Ausgelotet wurde, wie Politik auf beiden Seiten des Atlantiks dazu beitragen kann, dass Menschen nicht nur voran kommen wollen, sondern dies auch wirklich tun können.

Die Diskussionen der Konferenz drehten sich denn auch stark um die Bildung. Die Daten über soziale Mobilität im internationalen Vergleich, die zu Beginn der Konferenz präsentiert wurden zeigten, dass diejenigen Länder, die im internationalen Vergleich sozial am durchlässigsten sind, genau jene sind, die wir schon als PISA-Sieger kennen und allgemein als Vorbilder für die gute Schule gelten: darunter Finnland, Schweden, Norwegen und Kanada.

Aber die Konferenz nahm auch ein zweites Hindernis für soziale Mobilität in den Blick, über das weniger oft gesprochen wird: die Struktur des Arbeitsmarkts. Reinhard Pollak vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung wies darauf hin, dass die stark beruflich geprägte Struktur des deutschen Arbeitsmarkts eine Mobilitätsbarriere ersten Ranges ist. Berufe können nicht einfach ergriffen werden, Zertifikate entscheiden in Deutschland über den Zugang.

In den USA ist das anders. Tamar Jacoby, die Präsidentin der US-amerikanischen NGO Immigration Works bezeichnete die Aufstiegschancen, die der US-Arbeitsmarkt gerade auch Zugewanderten bietet, als den Kern des amerikanischen Schmelztiegel schlechthin.

In Deutschland hingegen verhindern die starren Karrierewege, die wenig Seiteneinstiege ermöglichen, allzu oft den beruflichen Aufstieg. Dass angesichts dieser Situation in Deutschland türkische Gemüsehändler in der ersten Sarrazin-Debatte als Ausdruck fehlenden Integrationswillens diffamiert wurden, bezeichnete der ehemalige nordrhein-westfälische Integrationsminster Armin Laschet in der Böll-Stiftung als zynisch.

Was aber ist daraus für die Politik zu lernen? Die berufliche Struktur aufzubrechen ist kaum einfach möglich. Und vor allem sollte eines nicht vergessen werden. Was für die Outsider des Arbeitsmarkts eine Eintrittsbarriere darstellt, ist für die Insider eine Absicherung des eigenen Status.

Foto: Ernie|Bert, cc-by-nc

Der Videomittschnitt zur Konferenz:

Veranstaltungshinweis: Konferenz „Europa und der American Dream“

21. Oktober 2010, Comments (1)

Foto: jazzlog, cc-by-nc/2.0

Die Erzählung des „American Dream“, also das Versprechen wonach Einheimische wie auch Einwanderer den sozialen Aufstieg für sich und nachkommende Generationen durch Bildung und Arbeit erreichen können, erfährt gegenwärtig eine politische Konjunktur. Unter Präsident Obama ist die Wiederbelebung dieses Mythos’ Wahlprogramm.

Auch in den europäischen Staaten ist das positive Leitmotiv für den Zusammenhalt in demokratischen und liberalen Gesellschaften unverzichtbar. Doch an welchem Versprechen orientieren sich die Menschen diesseits des Atlantiks?

Die Konferenz „Europa und der American Dream: Eine transatlantische Traumdeutung“, die am 27.Oktober in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin fragt, wie Politik für soziale Teilhabe und Mobilität in Europa, in den USA oder in Kanada gestaltet wird. Wie stark wird – hier wie dort – Teilhabe und Aufstieg als Ergebnis individueller Anstrengungen bzw. als Folge gesellschaftlichen Arrangements verstanden? Welcher kulturellen Bedingungen bedarf es für die Realisierung eines solchen Versprechens und welche Konsequenzen resultieren für sozialstaatliche und -politische Mechanismen?

Ausgeträumt? Obama und der „American Dream“

20. Oktober 2010, Comments (0)

Foto: Erik Sommer, cc-by-nc-sa/2.0

Lebt der „American Dream“ unter Barack Obama noch, der ja unter anderem angetreten ist, um gerade diese ur-amerikanische Erzählung wieder mit Leben zu füllen? Belinda Cooper vom World Policy Institute in New York ist sich da nicht sicher. In einem Artikel für die Heinrich-Böll-Stiftung berichtet sie, dass es für viele Amerikanern in Folge der Wirtschaftskrise nicht ums Träumen, sondern ums wirtschaftliche Überleben geht. Sie beobachtet eine eigentümliche Haltung zum Staat. Der solle sich nach Ansicht der meisten US-Bürger möglichst aus allen Angelegenheiten heraushalten, aber er solle dennoch die Krise bewätigen. Und Cooper berichtet über eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber Einwanderern, für die es als eine der wenigen Gruppen noch so etwas gebe, wie den Amerikanischen Traum.

Aufsteiger des Monats: Mad Men

19. Oktober 2010, Comments (2)

Aufsteiger des Monats Oktober ist die US-amerikanische Fernsehserie Mad Men, die gerade auf ZDF neo angelaufen ist (läuft immer mittwochs 22.30 Uhr). Die Serie ist den USA der 60er Jahre angesiedelt. Im Mittelpunkt steht Don Draper, der Kreativdirektor der Werbeagentur SterlingCooper mit Sitz an der New Yorker Madison Avenue (daher „Mad men“).

Völlig zurecht ist die Serie des kleinen Bezahlsenders AMC in den USA mit Preisen überschüttet worden. Die Serie sieht gut aus, das Flair der 60er ist bis ins kleinste Detail liebevoll eingefangen worden. Es wird viel geraucht und getrunken im Büro. Vor allem geht es um den American Dream. Don Draper verkörpert nicht nur den Aufstieg von rags to riches, er ist ein Selfmade-Man im allerwahrsten Sinne des Wortes (dazu soll hier nicht mehr verraten werden).

Beiläufig zeichnet Mad Men nach, wie stark der American Dream eine Erfindung der Werbeindusrie der Nachkriegszeit ist und der American Way of Life ein vor allem ein Vehikel, um die Waren der neuen Massenkonsumindustrie zu verkaufen. In der DVD-Edition findet sich dazu die schöne Dokumentation mit dem sprechenden Titel „Selling the American Dream“. Urteil: Unbedingt ansehen.
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=0I-WTCOTlOI[/youtube]

Über dieses Blog

„Durch eigene Anstrengungen in der Gesellschaft voran kommen, ohne durch ethnische, räumliche oder soziale Herkunft gehindert zu werden: Kann es trotz der vielen Blockaden, die heute in der Bildung und bei der Integration Zugewanderter der sozialen Mobilität im Wege stehen, einen solchen „deutschen Traum“ geben? Dieses Blog diskutiert, ob das Ideal einer aufstiegsoffenen Gesellschaft für emanzipatorische Politik taugt."

Studie „Einwanderinnen und Einwanderer in den Räten deutscher Großstädte“

Studie „Kaum Bewegung, viel Ungleichheit“

Die Studie von Reinhard Pollak (WZB) zeigt, in Deutschland schaffen es weniger als 1% aus einem Elternhaus, in dem der Vater ungelernter Arbeiter ist, selbst in eine leitende Angestelltenposition zu gelangen.
Dagegen werden zwei Drittel der Kinder aus einer leitenden Angestelltenfamilie selbst leitende Angestellte.
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Böll.Thema

Die Ausgabe "Sozialer Aufstieg - Strategien gegen die blockierte Gesellschaft" von Boell.thema liefert Analysen, Reportagen und Überlegungen rund um Fragen sozialer Mobilität und das Leitbild der aufstiegsoffenen Gesellschaft.
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