Veranstaltungen « Was ist der deutsche Traum?

Abschluss der Veranstaltungsreihe „Angekommen“: Film und Dossier „Zu Hause in Almanya“

30. November 2011, Comments (0)

Heute abend, am 30.11.2011, findet die Fimreihe „Blicke zurück und nach vorn – 50 Jahre deutsch-türkische Filmgeschichten“ ihr Ende. Zum Abschluss laden wir ab 19 Uhr nochmals zum Film gucken, diskutieren und zu einem kleinen Snack in der Heinrich Böll Stiftung (Schumanstr. 8, 10117 Berlin) ein. Wir zeigen „Ein Fest für Beyhan“ von Ayse Polat und den Dokumentarfilm „Wir sitzen im Süden“ der Filmemacherin Martina Priessner. Sie stellt darin vier deutschtürkische Mitarbeiter_innen von Istanbuler Call-Centern vor.

Titelbild und Download des Dossiers

Download des Dossiers (PDF 983 kb, S. 72)

Pünktlich zum Abschluss der Filmreihe, der auch den Abschluss unserer Veranstaltungsreihe „Angekommen“ zum 50 jährigen Jubiläum der Anwerbeabkommens zwischen der Türkei und Deutschland markiert, präsentieren wir zudem das Dossier „Zuhause in Almanya – Türkisch-deutsche Geschichten & Lebenswelten“.

Im Mittelpunkt stehen dabei einzelne Menschen – aus der Türkei, Menschen aus Deutschland, Almancis, Deutschtürk_innen, Einwander_innen, Auswander_innen, Angekommene, Zurückgekehrte, Pendelnde – die große Vielfalt!

Doch anders als so oft geht es in diesem Dossier nicht um problembehaftete Themenfelder, seien es vom Mainstream problematisierte oder aber tatsächlich problematische Dinge. Der Fokus liegt auf Alltagsgeschichten und -phänomenen: Film, Fernsehen, Musik, Essen, Reisen und Witze. Auch werden Erfolgsgeschichten von Unternehmer_innen mit Wurzeln in der Türkei oder die Vielfalt der türkischen Community in den Blick genommen.

Die im Dossier versammelten Aufsätze geben einen Eindruck davon, wie vielfältig die Menschen,  ihre Beiträge und Lebensrealitäten sind. Gerade hier kann sich zeigen, was „gelungene Integration“ sein kann. Zum Gesamtbild gehört eben auch der Blick auf die wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen und die Erfolge der Einwander_innen, die Zentrum, ja im Herzen der Gesellschaft stattgefunden haben und statt finden.

Die MID-Redaktion wünscht viel Spass bei der Lektüre!

Die Toronto-Roadshow macht Halt in Berlin: Gute Ideen aus Kanada

30. November 2011, Comments (0)

Urbane Ballungsräume sind oft geprägt von multikultureller Vielfalt. Dieser Vielfalt gerecht zu werden und jedem Einzelnen eine Chance auf Selbstverwirklichung zu bieten, ist eine soziale, ökonomische und politische Herausforderung für alle Metropolen dieser Welt.

 Viele Städte stellen sich dieser Herausforderung und haben innovative Ansätze der  Inklusion entwickelt – oft unabhängig von der nationalen Politik ihres Landes. Unter    dem Titel „Toronto Roadshow – Good Ideas from Canada“ sollen Berlin und Toronto    miteinander ins Gespräch kommen, um sich über die städtische Politik des  Multikulturalismus und der Inklusion sowie deren praktische Umsetzung auszutauschen  und so von den Erfahrungen der jeweils anderen Metropole zu lernen. Dabei werden  ausgewählte Vertreter/innen verschiedener Politik- und Gesellschaftsbereiche (Politik,    Verwaltung, Arbeit & Wirtschaft, Bildung, Medien & Kultur, Polizei) von ihrer Arbeit vor  Ort berichten und erfolgreiche Projekte vorstellen.

Die Roadshow-Delegation besucht  in Deutschland außerdem Köln, Stuttgart und  Hamburg.

Heute sind u.a. dabei:

  •  Peter M. Boehm (Botschafter von Kanada in Deutschland)
  •  Elizabeth McIsaac (Executive Director, The Toronto Region Immigrant Employment Council)
  • Donna Quan (Deputy Director, Education, Toronto District School Board)
  • Matt Galloway (Host, Metro Morning Show, Canadian Broadcasting Corporation)
  • Peter Sloly (Deputy Police Chief, Toronto Police Service)
  • Marlene Kölling (Stellv. Leiterin der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung, LADS)
  • Ute Novakovic (Stellv. Leiterin des Büros für Integration und Migration der Berliner Polizei)
  • Brigitta Gabrin (Chefredakteurin, Radio Multicult 2.0)
Die Veranstaltung findet in der Heinrich-Böll-Stiftung in der Schumannstr. 8, 10117 Berlin statt, ein Livestream ist eingerichtet.

Wohnen und wählen

18. Juli 2011, Comments (0)

Am 29. Juni diskutierte die Veranstaltung „Mittendrin oder nur irgendwie dabei“ in der Heinrich-Böll-Stiftung die Rolle von Menschen mit Migrationshintergrund in der deutschen Kommunalpolitik.

Der Filmclip über die Konferenz zeigt, dass ein Weg, die Partizipation von MigrantInnen zu steigern, darin liegen kann, Wahl- und Wohnbevölkerung stärker in Übereinklang zu bringen. Renate Künast versprach, sich dafür stark zu machen, das kommunale Wahlrecht für Bürger ohne deutsche Staatsbürgerschaft auszuweiten. Mehr dazu hier:

Weiblich, gut gebildet, türkeistämmig

28. Juni 2011, Comments (0)

Die neue Studie „Einwanderinnen und Einwanderer in den Räten deutscher Großstädte“, die am 29.6.2011 in der Heinrich-Böll-Stiftung vorgestellt und diskutiert wird, untersucht erstmals Ratsmitglieder mit Zuwanderungsgeschichte in allen 77 deutschen Städten über 100.000 Einwohner.

Die Untersuchung zeigt: Mit einem Anteil von 4% sind Migrantinnen und Migranten in den Räten stark unterrepräsentiert, bedenkt man, dass in unseren Großstädten bereits heute mehr als jeder/r Vierte einen Migrationshintergrund hat.

Die Studie verdeutlicht auch, dass es nicht die typische Kommunalpolitikerin bzw. den typischen Kommunalpolitiker mit Migrationshintergrund gibt. Dennoch wartet sie mit überraschenden Ergebnissen auf: Die türkischstämmigen Migranten – im Integrationsdiskurs oft als „Problemfall“ behandelt – stellen die größte Gruppe. Hier muss manches Vorurteil über Integrationsdefizite revidiert werden. Das gleiche gilt in Bezug auf Frauen: der Frauenanteil unter den Ratsmitgliedern mit Migrationshintergrund liegt höher als der Frauenanteil in den Räten insgesamt. Beim Bildungshintergrund ähneln sich migrantische und nichtmigrantische Ratsmitglieder. Überwiegend sind sie gut gebildet, viele von ihnen haben als Bildungsaufsteiger einen Hochschulabschluss in der Tasche. Zentrale Ergebnisse der Studie präsentiert die folgende Infografik.

Kaum Vielfalt in den Stadtparlamenten

17. Juni 2011, Comments (0)

Wie es um Gleichberechtigung und Integration in einer Gesellschaft bestellt ist, bemisst sich nicht zuletzt daran, inwieweit Menschen mit Migrationshintergrund die realistische Chance haben, politische Gestaltungsmacht zu erlangen.

Auch wird die Legitimität der Demokratie und die Akzeptanz, auf die sie in der Bevölkerung trifft, in Zukunft stärker davon abhängen, ob ihre Institutionen in der Lage sind, die zunehmende kulturelle und ethnische Vielfalt in den demokratischen Prozess einzuspeisen. Vor allem gilt das für die Städte, wo schon heute mehr als ein Drittel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat – mit steigender Tendenz.

Eine Forschergruppe um Karen Schönwälder vom Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen hat nun in Kooperation mit der Heinrich Böll-Stiftung und mit Unterstützung der Stiftung Mercator erstmals umfassend den Stand und die Entwicklung der Repräsentanz von Menschen mit Migrationshintergrund in den Parlamenten deutscher Großstädte untersucht. Sie kommen zum ernüchternden Ergebnis, dass sich die ethnische und kulturelle Vielfalt unserer Städte in den Stadttäten kaum widerspiegelt. Nur 4% der 4670 Ratsmitglieder in allen Städten über 100.000 Einwohner haben einen Migrationshintergrund.

Die Studie wird am 29. Juni in der Heinrich-Böll-Stiftung im Rahmen der Konferenz „Mittendrin oder nur irgendwie dabei?“ vorgestellt und diskutiert. Dabei wird es auch um die Rolle und das Selbstverständnis von Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern mit Migrationshintergrund in Deutschland gehen und um Maßnahmen, wie die gesellschaftliche Diversität besser Eingang in die Parlamente finden kann.

Foto: Michael Panse (cc by-nd 2.0)

Mehr als nur die Quote: Positive Maßnahmen

9. Mai 2011, Comments (0)

Gerade haben Sigmar Gabriel und Andrea Nahles vorgeschlagen, in der Bundes-SPD eine Migranten-Quote von 15 Prozent für alle Parteigremien einzuführen. Auch in den Landesverbänden soll der Anteil von Genossen mit Migrationshintergrund steigen.

Die Quote – in der Politik, aber auch in der Wirtschaft – ist das bekannteste, das kontroverseste, aber keinesfalls das einzige Instrument aus dem Werkzeugkasten der sogenannten „Positiven Maßnahmen“. Über die vielfältigen Möglichkeiten, gegen Diskriminierungen und strukturelle Barrieren in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen – vor allem am Arbeitsmarkt und in der Bildung – vorzugehen, diskutierte die Veranstaltung „Positive Action“ am 1.April in der Heinrich-Böll-Stiftung.

Wie chancengerecht ist Deutschland?

2. Mai 2011, Comments (0)

„Wie gerecht ist Deutschland“ fragt ZEIT online in einer aktuellen Serie und stellt in der Ausgabe vom 27.4. fest, dass die Bundesrepublik in Hinblick auf die Chancengerechtigkeit gar nicht so schlecht dasteht, wie man meinen könnte.

Die ZEIT beruft sich auf Zahlen der OECD, die zeigen, dass das Einkommen der jüngeren Generation in Deutschland nicht so stark von dem ihrer Eltern abhängt, wie es zum Beispiel in den USA der Fall ist. Insgesamt befindet sich Deutschland international im Mittelfeld, wenn es um die Vererbung von Einkommensvorteilen von Eltern auf ihre Kinder geht.

Zu Recht weist die ZEIT darauf hin, dass das Einkommen jedoch nur ein Indikator ist, um Chancengerechtigkeit zu messen und zitiert die Studie „Kaum Bewegung, viel Ungleichheit„, die der Soziologie Reinhard Pollak (WZB) für die Heinrich-Böll-Stiftung durchgeführt hat. Dort wird nach den Chancen gefragt, bestimmte gesellschaftliche Positionen zu erreichen. Und es zeigt sich, dass insbesondere diejenigen geringe Aussichten auf den gesellchaftlichen Aufstieg haben, deren Eltern aus niedrigen Klassenpositionen stammen.

Die „Beharrungskräfte am unteren und oberen Rand“ der Gesellschaft seien das große Problem, meint die ZEIT. Diejenigen die unten sind, schaffen es kaum auf der gesellschaftlichen Leiter nach oben zu kommen, die am oberen Rand müssen schon viel falsch machen, um abzusteigen.

„Deutschland könnte weit mehr tun, um für die Chancengleichheit zu sorgen“, resümiert die ZEIT, lässt aber offen, was getan werden sollte.

Dabei gibt es interessante Vorschläge. So hat zuletzt der von Jürgen Baumert geleitete Expertenrat „Herkunft und Bildungserfolg“ in Baden-Württemberg Politikempfehlungen erarbeitet. Bildung ist unbestritten der Schlüssel für Aufstiegschancen. Der Rat fordert eine klare Prioritätensetzung in der Bildungspolitik. Mittel sollten vor allem für die Förderung von Jugendlichen ausgegeben werden, die sich in besonderen „Risikolagen“ befinden. Ähnliches hatte bereits zuvor die Schulkommission der Heinrich-Böll-Stiftung in der Empfehlung „Bildungsgerechtigkeit im Lebenslauf“ vorgeschlagen.

PS: Ein Veranstaltungshinweis zum Thema: Am 4. Mai stellt Reinhard Pollak die Studie „Kaum Bewegung, viel Ungleichheit“ im Rahmen der Vorlesungsreihe GERECHT im kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden vor. Beginn ist um 18 Uhr.

Foto: Lars Hilscher (cc by-nc-sa 2.0)

Neue Studie vergleicht Integrationspolitik in Europa

11. März 2011, Comments (0)

Bereits zum dritten Mal haben der British Council und die Migration Policy Group aus Brüssel einen Vergleich der Integrationspolitik verschiedener Staaten in Europa und Nordamerika vorgelegt. Der Migrant Integration Policy Index (MIPEX) untersucht und vergleicht die Integrationspolitik von 31 Ländern in Bereichen wie Arbeitsmarktmobilität, Familienzusammenführung und Bildung.

Am 17. und 18. März werden die Ergebnisse von MIPEX im Rahmen einer Konferenz in der Heinrich-Böll-Stiftung, dem deutschen Partner der Studie, diskutiert. Dabei wird es auch um das Abschneiden der deutschen Integrationspolitik gehen. Laut MIPEX sind Migrantinnen und Migranten aus Ländern außerhalb der EU in Deutschland rechtlich etwas besser gestellt als noch vor drei Jahren. Positiv bewerten die Forscherinnen und Forscher des MIPEX, dass es in Deutschland vergleichsweise klar definierte Wege zur Staatsbürgerschaft und zielgerichtete Angebote zur Integration in den Arbeitsmarkt gibt. Im Bereich Bildungschancen und Familienzusammenführung liegt Deutschland hingegen nur auf einem Mittelplatz und in den meisten anderen Ländern ist es für Migrantinnen und Migranten deutlich leichter, eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung zu erhalten.

Angeführt wird das Integrationsranking von Schweden, Portugal und Kanada. Deutschland landet insgesamt auf einem Mittelplatz.

MIPEX bietet wertvolle Informationen, die darauf abzielen, „Integrationspolitiken zu bewerten, zu vergleichen und zu verbessern“. Auf der MIPEX Website lassen sich die Studienergebnisse interaktiv auswerten. Da es beim MIPEX jedoch um formale Integrationspolitik geht, ist die Aussagekraft der Ergebnisse begrenzt. Die Studie würdigt die Fortschritte bzw. straft Rückschritte, die einzelne Länder auf der formalen, politisch-rechtlichen Ebene machen. Nicht in den Blick kommen so Integrationsresultate. Eine aktive Arbeitsmarktintegrationspolitik muss lange nicht bedeuten, dass die Eingliederung von Migranten in den Arbeitsmarkt tatsächlich gut gelingt. Hier spielen beispielsweise auch Arbeitsmarktstrukturen eine wichtige Rolle: wie durchlässig ist der Arbeitsmarkt insgeamt, werden Zertifikate benötigt, um bestimmte Berufe ausüben zu können? Auch ist zu beachten, dass MIPEX lediglich Migranten mit legalem Aufenthaltsstatus einbezieht. So erklärt sich nicht zuletzt die gute Position Italiens im Ranking.

Was ist los mit der Mittelschicht?

14. Februar 2011, Comments (3)

Am 7. Februar diskutierten Ulrike Herrmann (taz), Berthold Vogel (Universität Kassel) und Jürgen Kaube (FAZ) in der Heinrich-Böll-Stiftung über die Krise des „Sehnsuchtsortes Mittelschicht“.

Eine der prägendsten Selbstbeschreibungen der Bundesrepublik in der Nachkriegszeit lautete so: Deutschlands Sozialstruktur ähnelt einer Zwiebel, wenige Reiche oben, wenige Arme unten. In der Mitte ein ausladender Bauch: Die Mittelschicht. Die Diagnose des Soziologen Helmut Schelsky aus den 50er Jahren, Deutschland sei eine nivellierte Mittelstandsgesellschaft, prägte lange Jahre die Debatte.

Heute hingegen herrscht viel Unsicherheit, wenn es um die Mitte der Gesellschaft geht. Worüber man genau spricht, wenn man Mittelschicht sagt, ist nicht mehr eindeutig. Unklar ist, wie viele Bürger der gesellschaftlichen Mitte überhaupt angehören. Sind es in letzter Zeit mehr geworden oder eher weniger? Die Meinungen gehen auseinander. In der ZEIT bedauerte Elisabeth Niejahr jüngst, dass der eigentlich beste Titel für eine Publikation über die Mittelschicht bereits vergeben ist: an den Bestseller “Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?” von Richard David Precht.

Der Begriff Mittelschicht scheint heute eine natürliche Verbindung mit dem der Krise eingegangen zu sein. Es geht um prekäre Arbeitsverhältnisse, um die Angst vor dem sozialen Abstieg, um unsichere Perspektiven für die Kinder. Zuletzt sorgte die Diagnose des DIW für Aufsehen, dass die Mittelschicht schrumpft. Ist die nivellierte Mittelstandsgesellschaft endgültig passé? Was ist dran an der Krise der Mittelschicht in Deutschland? Wie real sind die Befürchtungen vor dem sozialen Abrutschen? Welche Wirkung hat es, wenn die gesellschaftliche Mitte als Ziel gesellschaftlicher Aufstiegsaspirationen unattraktiv wird? Das waren die Fragen der Diskussion „Was ist los mit der Mittelschicht? Zur Krise eines Sehnsuchtsorts“, die im Rahmen der Reihe „Was ist der deutsche Traum? Bildung – Integration – Aufstieg“ am 8. Februar 2011 in der Heinrich-Böll-Stiftung stattfand.

Audiomitschnitt der Veranstaltung

Foto: Stephan Röhl
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Selbst daran Schuld? – Der Absturz der Mittelschicht

31. Januar 2011, Comments (1)

Am Freitag, den 7.2 um 19 Uhr lädt die Heinrich-Böll-Stiftung zur Diskussionsveranstaltung „Was ist los mit der Mittelschicht? Zur Krise eines Sehnsuchtsortes„. Mit von der Partie ist die taz-Autorin Ulrike Herrmann. Sie ist Autorin des Buches „Hurra, wir dürfen zahlen. Der Selbstbetrug der Mittelschicht“ und wird erläutern, worin genau der von ihr diagnostizierte Selbstbetrug der Mitte besteht. Grob gesagt, behauptet Ulrike Herrmann, dass die Mittelschicht nicht in der Lage ist, für die eigenen Interessen einzutreten. Sie würde nicht wahrnehmen, wie weit sie von der Oberschicht entfernt ist, wie unwahrscheinlich es ist, aus der Mitte nach oben aufzusteigen.
Statt sich dafür einzusetzen, dass die Reichen finanziell stärker belastet werden, verschwende sie Kraft und Aufmerksamkeit darauf, sich von der Unterschicht abzugrenzen.

Dabei wäre es das ureigene Interesse der Mitte, sich mit den Armen zu verbünden, so Herrmann, „denn solange sich die Mittelschicht weiterhin mit aller Macht gegen die Unterschicht abgrenzt, wird sie jene Allianz mit den Eliten fortsetzen, die alleine den Reichen nutzt.“

Was ist dran an der vermeintlichen Selbsttäuschung der Mittelschichten? Ist sie die Ursache, für das Abbröckeln der gesellschaftlichen Mitte, die immer wieder beklagt wird? Das diskutiert Ulrike Herrmann am 7. Februar mit Berthold Vogel (Uni Kassel) und Jürgen Kaube (FAZ).

Foto: Helico (cc by-nc-nd 2.0) Die Aufnahme zeigt das Werk „Auch Helden haben schlechte Tage“ von Marcus Wittmers vor dem Jüdischen Museum Berlin.

Über dieses Blog

„Durch eigene Anstrengungen in der Gesellschaft voran kommen, ohne durch ethnische, räumliche oder soziale Herkunft gehindert zu werden: Kann es trotz der vielen Blockaden, die heute in der Bildung und bei der Integration Zugewanderter der sozialen Mobilität im Wege stehen, einen solchen „deutschen Traum“ geben? Dieses Blog diskutiert, ob das Ideal einer aufstiegsoffenen Gesellschaft für emanzipatorische Politik taugt."

Studie „Einwanderinnen und Einwanderer in den Räten deutscher Großstädte“

Studie „Kaum Bewegung, viel Ungleichheit“

Die Studie von Reinhard Pollak (WZB) zeigt, in Deutschland schaffen es weniger als 1% aus einem Elternhaus, in dem der Vater ungelernter Arbeiter ist, selbst in eine leitende Angestelltenposition zu gelangen.
Dagegen werden zwei Drittel der Kinder aus einer leitenden Angestelltenfamilie selbst leitende Angestellte.
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Die Ausgabe "Sozialer Aufstieg - Strategien gegen die blockierte Gesellschaft" von Boell.thema liefert Analysen, Reportagen und Überlegungen rund um Fragen sozialer Mobilität und das Leitbild der aufstiegsoffenen Gesellschaft.
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